
Dr. Alexander Blank, Kinderarzt


Und auch hierüber kann man mal nachdenken:
Mit ihren Büchern »Die wilden
Hühner«, »Herr der Diebe« und der Tintenwelt-Tetralogie ist
Cornelia Funke in vielen deutschen Kinder- und Jugendzimmern zu
finden. In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem
Tagesspiegel macht sich die Bestsellerautorin jetzt Sorgen um
die seelische Verfassung von Kindern und kritisiert das deutsche
Bildungssystem als Verursacher. »Den Kindern wird ihre Kindheit
genommen«, sagte Funke in dem Interview. »Sie sind schon
ausgeblutet an Stress und Überforderung, wenn sie zur Uni
kommen.«
Die Schule gleiche zu sehr einer Kinderaufbewahrung, sagte Funke
weiter. Lange Tage und Hausaufgaben ließen kaum Raum für
Familienleben oder Zeit mit Freunden. Schule gleiche
»unbezahlter Kinderarbeit«, sagte Funke. Sie stellte infrage,
wie viel des Schulwissens tatsächlich angewendet werde und
helfe, die Welt zu verstehen und zu ihrer Verbesserung
beizutragen. Es benötige eine Schule, die auf diese Zeit und
diese Welt reagiere, die abstraktes Wissen nicht über Kunst und
Handwerk stelle. »Es ist heute unendlich schwer, ein Kind zu
sein«. (gefunden am 03.11.24)
Ein treffender Leserbrief, veröffentlicht am 6. Mai 2025:


Ob Kinder in solchen Verhältnissen Geborgenheit erleben, darf
angezweifelt werden.
Beiträge im weitesten Sinn zum Thema «Bildung»

Ein Leserbrief eines Kollegen
(Mitte Mai 2023):




Väter unterstützen Kinder etwa bei der Stressbewältigung besser als Mütter
Psychologin: Warum Väter wichtig für die Entwicklung des Kindes sind
FRANKFURT. Die Psychologieprofessorin Lieselotte Ahnert hat die Bedeutung einer engagierten Vaterschaft unterstrichen. Sie stelle „ein beständiges und nachhaltiges Potenzial für die kindliche Entwicklung dar“, sagte sie in einem FAZ-Interview. Die Autorin des Buches „Auf die Väter kommt es an. Wie ihr Denken, Fühlen und Handeln unsere Kinder von Anfang an prägen“ (Ullstein Verlag) hat mehr als zwei Jahrzehnte dazu geforscht, welche Rolle Väter im Leben ihrer Kinder spielen. Wie Ahnert sagte, fängt eine aktive Vaterschaft schon mit einer positiven Haltung zum Stillen an. Wenn Väter hinter ihren Partnerinnen stehen und sie bei der Hausarbeit entlasten, hielten die Mütter beim Stillen länger durch. „Das allein ist schon für die Entwicklung des Babys sehr nutzbringend.“ Lieselotte Ahnert ging auch auf Forschungsstudien ein. Sie zeigten, dass Väter zwar im Schnitt weniger fürsorglich auf kleine Kinder reagierten, aber dafür unterstützten sie ihre Kinder bei der Stressbewältigung „viel besser als Mütter“. Bei Trotzanfällen eines Kindes etwa sei es nicht angeraten, dass man es trösten und beruhigen wolle, wie Mütter es typischerweise täten. Im Bemühen um eine aktive Vaterschaft sei über das erste Jahr hinaus eine Menge zu tun, so die Psychologin. Dadurch erweitere sich der Bewegungsradius des Kindes, entwickelten sich dessen Feinmotorik, Sprache und Denken. Dazu seien Anregung und Fürsorge erforderlich. „Es versteht sich von selbst, dass Väter hier gebraucht werden und sich hervorragend einbringen können.“ Ahnert zufolge entwickeln aber nur aktive Väter – die also das Kind füttern, es ins Bett bringen und Zeit investieren – eine völlig eigenständige Bindungsbeziehung zum Kind. Passive Väter bauten dagegen kaum gute Beziehungen zu ihren Kindern auf. Laut Ahnert ist die Vater-Kind-Bindung auch stark abhängig von der Qualität der Partnerschaft: Männer, die in zufriedenen Partnerschaften leben, wollten gute Väter sein. In vertieften Interviews habe man festgestellt, „dass sie ihren Beitrag darin sehen, neben der finanziellen Absicherung vor allem auch zur Familienatmosphäre beizutragen“. (idea)
Link: https://www.idea.de/artikel/psychologin-warum-vaeter-wichtig-fuer-die-entwicklung-des-kindes-sind

Hier ist für jeden Pädagogen die Toleranzgrenze
überschritten!
ETHOS 05/23

13.02.2023


Leserbrief aus dem SÜDKURIER vom 14.11.2022
/ Kommentar aus der FAZ vom 17.12.22

Beitrag vom 10.09.2022


In diese Richtung weist auch folgender
Leserbrief (SK, 12.05.2021),
und man fragt sich immer besorgter, wohin unser Land treibt:



Auch das hat Auswirkungen auf die Schule (Quelle:
SÜDKURIER vom 01.12.2020)
Endlich regt sich Widerstand; in den USA
weiß man schon länger, daß «PC-Kinder» keine besseren
Schulleistungen erbringen ...

SÜDKURIER vom 08.04.2019
Und folgende Bemerkung von Herrn Spitzer unterstreicht noch
diesen falschen Digital-Wahn (aus: ETHOS 9/2021, S. 54):
Mittels wissenschaftlicher Studien zeigt Spitzer, welche Effekte die Digitalisierung in unserem Alltag vor allem auf unsere Kinder hat. Der tägliche stundenlange Gebrauch digitaler Medien (Spiele, soziale Netzwerke, Multitasking am Bildschirm etc.) macht uns cyberkrank, mit massiven Auswirkungen auf Körper und Seele. Spitzer schreibt unter anderem:
«Wir glauben, daß unser aller Wohl und Wehe von
der Beherrschung der neuen Technik unmittelbar abhängt. Und wer
nicht mitmachen will, ist abgehängt oder kommt sich zumindest so
vor. Jedenfalls werden uns entsprechende Signale gesendet. ...
Deswegen sind alle der Meinung, die Jungen sollen es besser
haben, und dementsprechend müßten sie so früh wie möglich in die
neue Technik eingeführt werden. So werden Tablets im
Kindergarten, Smartphones und Spielkonsolen in der Schule sowie
Laptops spätestens ab der fünften Klasse für eine gute
Entwicklung der Kinder gefordert.»

Felix
Unger,
Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften,
über das deutsche Bildungssystem: die Schulen kann man
"mittlerweile schlichtweg als ‚Vertrottelungsanstalten‘"
bezeichnen.

FAZ vom 19.09.2020

Zitat: von Gersdorff
Dies belegt erschreckend folgender
Artikel aus der FAZ vom 03.09.2020:

Folgende Nachricht erreichte uns in der zweiten Septemberwoche
2018:

Schließlich fußte dies auf Jahrhunderten an diesbezüglicher
Erfahrung ...

Eigentlich wußte man dies schon in allen Kulturen der
Vergangenheit

Am 21.10.17 per Mail erhalten: Verantwortlich sind aber auch
Lehrer, die sich hierfür mißbrauchen lassen!
Wir "Alten" wissen noch, was gute Schule ausmacht, was folgender
Leserbrief eines ehemaligen Gymnasiallehrers prägnant belegt:


SÜDKURIER vom
02.10.2018
Besser
kann man die deutsche Bildungsmisere nicht darstellen (TV-HUS
12/21)
Hierzu paßt folgender Kommentar aus der FAZ vom 6.12.17:

Vor 40 Jahren war es undenkbar, daß 20% der Viertkläßler nicht
richtig lesen können;
aber dann geriet Schule zum gesellschaftspolitischen
Experimentierfeld ...

Quelle: "Junge Freiheit" vom 07.09.2017
Selbst dieser Bereich ist durchs Gendern negativ betroffen:

Am 22.08.2017 entdeckt und abfotografiert (Quelle:
Junge Freiheit)
Und aktuell sollte auch dies bedacht werden:
Einmal mehr geht es unseren Ideologen nicht wirklich um das
Kindeswohl,
sondern allein um die Durchsetzung ihrer Programme
(aber man gilt ja gleich als »homophob«, wenn man diese Fakten
nennt) ...


Auch der Umgang in unserem Land mit dem
ungeborenen Leben schreit zum Himmel (Nachricht vom
22.03.18):


Das Buch trägt den Titel: Lehrerdämmerung
Damit ist bereits schon einiges gesagt


Ende August 2015 / Mitte Mai 2016
Vom 16.08.2015 bez.
Gemeinschaftsschulen:
Dieser Artikel überrascht nicht wirklich
Diese Aktion bedarf dringend der
Unterstützung! Protestnote hier herunterladen

Mai 2015: Man bilde sich sein eigenes Urteil ...
Und dieser Artikel löst
Betroffenheit aus

Per Mail erhalten am 9.1.15: Schade, dass der Verfasser auch
bereits vom Bazillus des Zerfalls der deutschen Sprache befallen
ist (erster und achter Satz) ...
Das Projekt »Gemeinschaftsschule« (und nicht
nur das) bleibt umstritten:


Quelle: SÜDKURIER Ende Juli 2014





Hierüber können Eltern nicht genügend Bescheid
wissen:


SÜDKURIER vom 28. April 2014
Und auch das hier bleibt leider mehr als aktuell:


Wer dermaßen die Seelen unserer Kinder mißbrauchen will,
verliert die Berechtigung, Vertreter für sie und ihre Lehrer zu
sein!
... die Kritik und Sorge kommt nicht nur vom
"rechten Rand", wie gern in den Medien suggeriert wird:



Ihr jungen Lehrerinnen und Lehrer, laßt euch nicht von der
derzeitigen Schulpropaganda einlullen!
... und der Gipfel des "Wahnsinns" ist hier erreicht ...
Kinder haben keine Lobby, weswegen wir Erzieher uns einschalten müssen:


Neue Erkenntnisse (die aber nicht wirklich überraschen) über Lernen und Computer (SÜDKURIER vom 06.08.2012):



Eben, Lehrer sind Lehrer:




Wie wohltuend, dass man endlich wieder
auf unsere eigentliche Berufung zurück findet!



Quelle: SÜDKURIER vom 11.07.08
Quelle: Erziehung
und
Wissenschaft 3/2008
Quelle: DIE WELT vom xx.02.08 (Samstagsausgabe)

DIE WELT vom 14.07.07
DIE WELT vom 22.12.07

Quelle: DIE WELT vom 28.04.07




Quelle: DIE WELT
Quelle: DIE WELT vom 02.09.06


Quelle: DIE WELT vom 15.07.06
Quelle: DIE WELT vom 1.7.06

Quelle: DIE WELT vom 06.05.06

Quelle: DIE WELT vom
18.02.06

Bildungsnotstand in Deutschland
(Quelle unbekannt)
Dazu paßt auch noch diese Meldung (Quelle:WIR!2006):
... und selbst renommierte Zeitungen
erwischt's (DIE WELT vom 15.04.06):

Quelle: SÜDKURIER vom 04.02.06
Wie sangen wir früher:
Leise rieselt die
Vier
auf das Zeugnispapier.
Horch nur, wie lieblich es schallt,
wenn Vaters Ohrfeige knallt.
Diese
Zeiten
sind gottlob vorbei, wenngleich immer noch in jedem
zweiten Elternhaus gelegentlich oder gar regelmäßig
geschlagen wird. Der Schulstreß wird m.E. nicht von uns
Lehrern, sondern von Eltern erzeugt, die ihre Kinder unter
einen Erwartungsdruck setzen, dem sie nicht gewachsen
sind. Allein die immens hohe Zahl jährlich gegebener
Nachhilfestunden zeugt davon, daß viel zu viele Kinder die
falsche Schulart besuchen.
Quelle: SÜDKURIER vom 27.02.06
Spricht das nicht Bände?
Quelle: SUEDKURIER vom 20.03.06

Quelle:
www.jesus.de

Berlin:
Atheisten
drängen in Schulen
Beten Sie für die Schulen in Brandenburg, wo es bald
"Lebenskundeunterricht" durch den atheistischen "Humanistischen
Verband Deutschland" (HVD) geben soll - finanziert vom rot-roten
Senat, der kirchlichen Reli-Unterricht blockiert, aber diese
Ideologisierung der Schüler fördert. Die antichristliche
Propaganda zur Legitimierung des Faches läßt für die inhaltliche
Ausrichtung nichts Gutes erwarten.
Schulstudie
von Prof. Dr. J. Bauer (Freiburg)
DIE WELT vom 10.12.05
Somit gehen diese Kollegen dann kränker in den Ruhestand als
bisher und sterben folglich früher - ein perfider Plan! Unser
Beruf gehört schon jetzt zu denen mit der geringsten
Lebenserwartung ...
Quelle: SÜDKURIER vom 6.10.05
Quelle: Eins / 1. Quartal 2006
Hirnforscher: Kinder
möglichst wenig TV
WEINHEIM. Nach Ansicht des
Hirnforschers Manfred Spitzer sollten Kinder bis zu ihrem
zwölften Lebensjahr komplett auf elektronische Massenmedien
wie Computer oder Fernsehen verzichten. Neuen Studien
zufolge sage der Fernsehkonsum im Kindesalter voraus, „ob
jemand einen Universitätsabschluß bekommt oder in welchem
Ausmaß er in der Schule versagt", sagte Spitzer dem Magazin
„Psychologie Heute". PC-Spiele förderten
Aufmerksamkeitsstörungen, weil durch zuviel Information die
Konzentration reduziert werde. Ballerspiele führten zur
Abstumpfung gegenüber Gewalt. Wer Gewalt im Fernsehen sehe,
werde selbst auch gewalttätiger. Dies sei statistisch
nachgewiesen wie der zwischen Rauchen und Lungenkrebs. (www.medienmagazin-pro.de)

Quelle: DIE WELT vom 27.08.05


DIE WELT vom 18.09.04

Stimmen aus berufenem Mund zur
Rechtschreibreform (aus: DIE WELT vom 21.08.04):
Den Schriftstellern wird vorgeworfen, sie
hätten sich, wenn ihnen die Rechtschreibung denn so heilig sei,
früher in die Diskussion einmischen sollen. Aber wahrscheinlich
ging es vielen ähnlich wie mir und die angekündigte
Rechtschreibreform kam ihnen nicht sonderlich gefährlich vor.
Dass statt daß und Be-cken statt Bek-ken und die eine oder
andere Kommaregel; solange sie das Semikolon nicht abschaffen,
dachte ich, und solange sie den Substantiven ihre Großbuchstaben
nicht rauben, was der Eliminierung des „Sie“ in den
Umgangsformen gleichgekommen wäre, solange werde ich mit dieser
Reform leben und schreiben können, dachte ich. Bis ich mein
erstes reformiertes Manuskript zu korrigieren hatte,
das mir in einer gemäßigten S. Fischer-Rechtschreibversion
vorlag. Es war eine Sammlung älterer und neuerer Texte. Die
älteren blieben, wie sie waren, die neueren wurden transformiert
und in einem der transformierten fand ich den Satz: „Egal, was
E. sagt, mir tun die Männer Leid“ und das war genau das
Gegenteil von dem, was ich hatte sagen wollen. Ich wollte sagen,
dass ich die Männer bedauere, und nun stand da, dass die Männer
mir ein Leid antun. Es fand sich noch eine Reihe anderer,
mittlerweile viel zitierter Grausamkeiten, die ausreichten, mich
zu einer bekennenden Gegnerin der Rechtschreibreform zu machen
und denen, die sie angerichtet hatten – ganz offensichtlich
Menschen, die weder Gefühl für die Sprache hatten, noch Respekt
vor ihr – das Recht, sich an ihr zu vergreifen, rundum
abzusprechen. Denn ihre Beteuerungen, nur am Kleid der Sprache,
nicht aber an ihrem Fleisch herum geschnitten zu haben, bewies
nur, dass sie nicht einmal verstanden, was sie taten. Jetzt zu
behaupten, die Gegner hätten früher protestieren müssen, zeugt von nicht geringer
Ignoranz. Die Schriftsteller haben sich der Reform zum großen
Teil verweigert und ihre Bücher in herkömmlicher Schreibweise
erscheinen lassen, Wissenschaftler und Journalisten haben
interveniert, aber die Sprache war ins Getriebe der
Bürokratie geraten, der Kultusbeamten und einem Teil der
Lehrerschaft, der offenbar meint, wenn Fehlerquellen beseitigt
sind (was ja wohl nicht einmal der Fall ist), hätten sie besser
unterrichtet oder wären die Kinder nun klüger. Und wenn sich
unter den älteren Schülern jetzt der Slogan von den „erwachsenen
Legasthenikern“, die zu blöd seien, neue Regeln zu lernen,
ausbreitet, lässt das befürchten, dass man ihnen
nicht nur die Orthographie nicht hat beibringen können, sondern
offenbar auch jede Sprachempfindlichkeit abtrainiert hat.
Jetzt, da einige große Verlage und Zeitungen ihre Macht
gebrauchen, um den Countdown abzubrechen, wird ihnen
vorgehalten, sie boykottierten ohne Legitimation die Arbeit
demokratisch gewählter Institutionen. Aber wer wurde
demokratisch gewählt, um diesen Unfug mit dem „Leid“ zu
verzapfen? Eine demokratische Wahl berechtigt nicht zur
Amtsanmaßung.
Der hemmungslose Trieb der Bürokratie, zu beherrschen, was sie
bedienen sollte, wird ausgerechnet bei der Rechtschreibung zum
Skandalon, weil sie alle betrifft, während der alltägliche
bürokratische Irrsinn nur von den jeweils attackierten Gruppen
wahrgenommen wird.
Es ist ganz gleichgültig, welche Partei wir wählen, den sich
selbst als Sinn genügenden bürokratischen Apparat wählen wir
immer mit. Aber wie wehrt man sich gegen etwas, das von Natur
aus so machtgierig ist, das in jeden Spalt, jeden Riss im noch
unreglementierten öffentlichen Leben hemmungslos hineinwuchert,
das aber nicht abwählbar ist? Man kann es nur boykottieren, wenn
man kann. Und diesmal können wir.
SÜDKURIER vom 07.09.04
Quelle Loriot: SÜDKURIER vom 27.08.04
Inzwischen legt sich mit der "Reform der Reform" die Aufregung
etwas; aber Einigkeit herrscht noch immer nicht, wie folgendes
Beispiel zeigt:



Quelle: SÜDKURIER vom 26.03.05

Quelle aller Zeitungsausschnitte: DIE WELT
Staatliche
Schulberatungsstelle
für
München
Zentrale pädagogisch-psychologische
Beratungsstelle für alle Schulen in der Landeshauptstadt und
im Landkreis München
Für
eine bewusste ethisch-moralische Werteerziehung
Ein Diskussionsbeitrag zu Erfurt
Rudolf Hänsel
20. Mai 2002
Der 17fache Mord von
Erfurt war kein Amoklauf und keine Einzeltat, sondern der
Höhepunkt einer Reihe von Taten nach dem gleichen Muster: Ein
Schüler rächt sich an seinen Lehrern für angebliche Kränkungen.
Kein Mitgefühl, keine soziale Verantwortung, keine moralische
Hemmschwelle, keine ethische Erwägung haben ihn daran gehindert.
Hier stellt sich die Frage: Was ist los mit unserer Jugend? Was
ist los mit unserer Gesellschaft? Was hat in der Erziehung der
letzten Jahrzehnte gefehlt? Mit dem folgenden Versuch einer
Antwort aus der Perspektive der personalen Psychologie ergeht an
alle verantwortungsbewussten Mitbürger eine Einladung zur
Diskussion dieser dringenden Fragen.
Destruktive
gesellschaftliche Einflüsse und Unsicherheit der Erzieher
führten bei der Jugend zu Desorientierung und Haltlosigkeit
Die Familien sind in
unserer heutigen Gesellschaft großen Belastungen ausgesetzt. Die
Einflüsse, die auf Kinder und Jugendliche einströmen, sind stark
desorientierend und kaum zu kontrollieren, allen voran die einer
Unterhaltungsindustrie, die – in Film, Fernsehen, Video,
Computerspiel und Musik – im Wesentlichen eine Mischung aus
Gewalt, Perversion und Nihilismus vermittelt. Die
Gewaltdarstellungen in den visuellen Medien haben an Ausmaß und
Brutalität im Laufe der letzten Jahrzehnte enorm zugenommen. Nur
einige wenige stemmten sich mutig dagegen, unterlagen aber der
Medienmacht. Wenn sich Jugendliche täglich auf mehreren Kanälen
die gewalttätigen bis monströsen Gewalthandlungen ihrer
Vorbilder ansehen können, finden sie hier natürlich keine
positive Orientierung für ihr Leben, weder in der Frage des
Umgangs miteinander, der Freundschaft, Liebe und Gemeinschaft
noch des Lebenssinns. Und labile Charaktere werden diese
gewalttätigen Verhaltensmuster eines Tages in die Tat umsetzen.
Gerade in dieser risikoreichen gesellschaftlichen
Situation haben wir Erzieher und andere gesellschaftliche
Gruppen in der Vergangenheit unseren Auftrag zur Werteerziehung
oft nicht angemessen wahrgenommen. Wir waren und sind
verunsichert: Seit langem gibt es keinen Konsens mehr in der
Gesellschaft zwischen Eltern, Lehrern und anderen
gesellschaftlichen Kräften über die Werte, Erziehungsziele und
Erziehungsstile, die geeignet wären, die Jugend zu mutigen,
friedfertigen und sozial verantwortlichen Menschen zu erziehen,
und es gibt auch keinen Konsens über die Frage, ob und wie dem
Medieneinfluss auf die Heranwachsenden entgegenzutreten ist. Die
Diskussion über diese Fragen findet seit langem nicht mehr
statt, sie ist abgestorben, Lähmung ist die Folge. Selbst
verantwortungsbewusste, engagierte Erzieher haben keine klare
Orientierung und können so auch der Jugend keine geben.
Wichtige
Fragen wurden nicht mehr zu Ende gedacht
1.
Sollen den Heranwachsenden Werte
vermittelt werden und wenn ja, welche und durch wen? Oder müssen
Kinder und Jugendliche selbst herausfinden, was gut für sie ist?
2.
Sind Anstand, Rücksichtnahme,
Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft, Fleiß, Verantwortungs-
und Gemeinschaftssinn noch erstrebenswerte Tugenden, die wir der
Jugend vermitteln sollten? Oder stehen sie im Widerspruch zum Ziel
der "Selbstverwirklichung" und führen nur zu blinder
Unterordnung unter autoritäre Strukturen?
3.
Soll
man
Kindern
und Jugendlichen Grenzen setzen? Oder sollen sie durch
Ausprobieren selbst an ihre Grenzen stoßen? Sollten also
Erzieher einschreiten, wenn Kinder und Jugendliche ihre
Konflikte mit Gewalt "lösen" wollen? Oder sollte man auf
"Selbstregulierung" vertrauen?
4.
Tut
es jungen Menschen gut, Abend für Abend auf allen Kanälen
Gewalttaten in sämtlichen Variationen anzuschauen? Oder wirkt
sich dieser Einfluss schädlich auf ihre Entwicklung aus und
sollte deshalb unterbunden werden?
Die Uneinigkeit in der Gesellschaft über
diese Fragen hat der heranwachsenden Generation in den letzten
Jahrzehnten nicht zum Vorteil gereicht: Eine Zunahme der
Gewaltbereitschaft, des Drogenmissbrauchs, des Nihilismus waren
die Folge. Eine breite gesellschaftliche Diskussion tut Not, an
deren Ende ein Konsens stehen muss, um der Jugend wieder
Orientierung und Halt geben zu können. Diese Diskussion muss
geführt werden ohne Tabuisierung und Abstempelung anderer
Meinungen und muss sich u.a. an den vielen wertvollen
Forschungsergebnissen der Entwicklungspsychologie, besonders der
Bindungs- und Erziehungsstilforschung sowie den Forschungen zu
den Bedingungen prosozialen Verhaltens und an der
Medienwirkungsforschung orientieren.
Antworten aus der Perspektive der
personalen Psychologie
1.
Die
personale
Psychologie
hat uns wertvolle, in der pädagogisch-psychologischen Praxis
bewährte Befunde geliefert, wie die Menschen ihr Zusammenleben
verbessern können. Gemäß dem Menschenbild der personalen
Psychologie ist der Mensch ein Wesen der Natur, gleich an Würde
und Rechten geboren, weder durch seine Triebe (biologistisches
Menschenbild) noch durch die gesellschaftlichen Verhältnisse
(materialistisches Menschenbild) determiniert. Er ist fähig,
zwischen bekömmlichen und schädlichen, gesunden und kranken,
positiven und negativen Tendenzen im Leben zu unterscheiden und
so Werte zu setzen, Kultur zu schaffen, eine Ethik zu
entwickeln. Die Fähigkeit hierzu bildet sich beim Menschen im
Laufe seines Lebens durch die Erziehung heraus. Die
seelisch-geistige Entwicklung des Kindes vollzieht sich vom
ersten Tag an im sozialen Wechselspiel mit seinen ersten
Beziehungspersonen in der Familie und später mit den Personen
seiner näheren und weiteren Umgebung. Gewissensbildung,
ethisches Verhalten und sittliches Empfinden nehmen hier ihren
Anfang. Sie haben ihre Wurzeln in der Empathie, welche sich in
der positiven Bindung des Kindes an seine ersten Bezugspersonen
entwickelt. Aber auch im späteren Leben des Jugendlichen müssen
diese Werthaltungen in einem aufrichtigen zwischenmenschlichen
Austausch mit seinen Eltern und Lehrern aktiv gelebt und
bestätigt werden. Gerade bei einem Versagen des Jugendlichen in
einer Lebensaufgabe kann ein Einbruch im Selbstwertgefühl zu
einem Abdriften in irritiertes Geltungs- und Machtstreben
führen, wenn wir ihm nicht helfen, echte,
gemeinschaftsverträgliche Lösungen zu finden. Wir Erzieher
dürfen es nicht dem Zufall überlassen, an welchen Werten und
Vorbildern sich unsere Kinder und Jugendlichen orientieren, wenn
wir eine Generation heranziehen wollen, die einmal konstruktiver
Gestalter eines friedfertigen und mitmenschlichen Gemeinwesens
sein soll. Deshalb müssen die Gesellschaft als Ganzes und jeder
Einzelne sich bewusst entscheiden, welche Werte vermittelt
werden.
2.
Falsche
Theorien
in
den 70er Jahren haben besonders in Deutschland zu falschen
Schlussfolgerungen und einem falschen Erziehungsansatz geführt:
Jegliche Selbstkontrolle von Affekten, so die Annahme, führe zur
Aufstauung von Aggressionen, die irgendwann "explodieren"
würden. Das „Herauslassen“ von Aggressionen war deshalb Teil des
damals aufkommenden „emanzipatorischen“ Erziehungsprogramms und
die so genannten Sekundärtugenden wie Fleiß, Anstand und
Gemeinschaftssinn wurden als Wegbereiter von Auschwitz aus dem
Wertekatalog der Erzieher verbannt. In Wirklichkeit erleichtert
die Orientierung an solchen Werten das menschliche
Zusammenleben. Sie entsprechen der Menschenwürde und dem tiefen
Wunsch des Menschen, einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten und
anderen wohl zu tun. Sie verbinden die Menschen miteinander. Ein
Ergebnis der Empathieforschung war, dass das Mitgefühl mit dem
anderen Menschen ein zentraler Bestandteil der Hemmschwelle
gegen gewalttätiges Verhalten ist.
Die Überbetonung der so genannten Selbstverwirklichung, des
Spaßhabens als Lebensziel in der Fun-Gesellschaft hat bei vielen
Heranwachsenden zu Egozentrik und mangelnder Berücksichtigung
der Belange anderer Menschen geführt. „Das Entstehen solcher
(narzisstischer) Persönlichkeiten wird durch eine Gesellschaft
gefördert, die stark ich-betont ist und die eine Erziehung, die
moralische Grundsätze setzt, mit autoritärer Bevormundung
verwechselt.“ (FÜLLGRABE, in: SZ v. 29.04.02) In der Erziehung
muss der Schwerpunkt deshalb wieder auf andere Ziele gelegt
werden, nämlich darauf, die Fähigkeit des jungen Menschen zu
sozialer Anteilnahme, Verantwortung und Einsatzbereitschaft für
das Gemeinwohl herauszubilden und zu stärken.
3.
Es
gehört
selbstverständlich
zur Aufgabe des Erziehers, dem Heranwachsenden Grenzen zu
setzen. Durch die Befunde der Forschungen zu den
Entwicklungsbedingungen positiven Sozialverhaltens, insbesondere
die Ergebnisse der Erziehungsstilforschung, wissen wir heute,
welcher Erziehungsstil einen hohen Grad an
Kooperationsfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und
Sicherheit beim Kind hervorbringen kann. Diesen Erziehungsstil
nennt die Entwicklungspsychologin BAUMRIND „autoritativ“:
Gemeint sind elterliche Erziehungspraktiken, die durch Wärme und
Zuneigung, aber auch durch wirksame Kontrollmechanismen
gekennzeichnet sind, die auf Härte und körperliche Strafen
verzichten, aber konsequent argumentative
Durchsetzungsstrategien einsetzen, die Einhaltung von
vereinbarten Regeln kontrollieren, bei Fehlverhalten
einschreiten sowie das Kind durch Vorbild und Einbeziehung in
positive soziale Aktivitäten anleiten. Zur Überraschung mancher
Anhänger der so genannt antiautoritären Erziehung wurde
festgestellt, dass der permissive, gewähren-lassende
Erziehungsstil bei Kindern zu dem gleichen
unkameradschaftlichen, unkooperativen und aggressiven Verhalten
führte wie der vernachlässigende und autoritäre Erziehungsstil.
Der Erwachsene, der Zeuge eines gewalttätigen Verhaltens eines
Kindes oder Jugendlichen wird, muss daher unter allen Umständen
dagegen Stellung beziehen und Wiedergutmachung fordern; denn die
fehlende Stellungnahme und ein Maßnahmenverzicht werden vom
jungen Menschen als Zustimmung zu seiner Tat interpretiert. Ein
Erzieher, der Gewalt zulässt, missachtet ein grundlegendes
Menschenrecht. Auch muss das Opfer einer Gewalttat durch das
entschiedene Einschreiten des Erziehers erleben, dass die Tat
verurteilt, es selbst geschützt wird und Genugtuung erfährt. Ein
Gewalttäter, der „ungeschoren“ davonkommt, also erfolgreich
Gewalt angewendet hat, lernt außerdem durch diese Verstärkung,
dass Gewalt sich lohnt und wird sie wieder anwenden. Muss er
sich dagegen mit seiner Tat auseinandersetzen, einen echten Weg
zur Wiedergutmachung entwickeln, so fühlt er sich in sein Opfer
ein und baut eine Hemmschwelle gegen erneute Gewaltanwendung
auf.
4.
In
all den Fällen in jüngster Zeit, in denen Jugendliche oder junge
Männer zu Mördern wurden, haben die Täter vorher intensiv
visuelle Gewalt konsumiert. Der so genannte Wissenschaftsstreit
über die Wirkungen der Mediengewalt ist ein Mythos. Es
gibt ihn nicht, es gibt nur mächtige Interessenverbände, denen
es gelingt, in der Öffentlichkeit die einschlägigen Ergebnisse
immer wieder in Zweifel zu ziehen: „Es existiert eine
Bildungslücke zwischen den Forschungs-Ergebnissen über die
Wirkungen der Fernseh-Gewalt und den Kenntnissen darüber in der
Öffentlichkeit und unter Praktikern. Diese Bildungslücke kann
charakterisiert werden als Kenntnismangel, Fehleinschätzung und
Verständnis-Mangel für die Anwendung der Forschungsergebnisse
auf das Problem der Jugend-Gewalt. Die Film- und
Fernseh-Industrie (...) nehmen von den Forschungsergebnissen
keine Kenntnis; sie ignorieren sie. Sie greifen sie an; sie
verdrehen und verfälschen sie sogar in ihren Sendungen. Sie
kommen mit ihrer Haltung durch. Denn die Macht steht auf ihrer
Seite, und die Gesellschaft ist in ihrer Meinung zwiespältig und
gespalten.“ (SCHNEIDER, S. 147)
In Wirklichkeit kommen verschiedene Langzeit- und Laborstudien
seit Jahrzehnten zu übereinstimmenden Ergebnissen: Kinder und
Jugendliche, die Gewaltdarstellungen im Fernsehen, Video,
Computerspiel sehen, sind unempfindlicher gegenüber Gewalt,
nehmen Gewalt als selbstverständlicher hin, neigen mehr zu
aggressivem und delinquentem Verhalten und sind auch als
Erwachsene aggressiv bis kriminell (BANDURA, LEFKOVITZ et al.,
HUESMANN, GLOGAUER, LUKESCH, WEISS). Besonders die
Computerspiele wirken brutalisierend,
desensibilisierend und konditionieren auf das Töten hin,
besonders dann, wenn ein Jugendlicher durch einen Verlust an
Werten und eine ungünstige Umgebung schon belastet ist
(GROSSMAN). Auch nach den Erkenntnissen der sozialen
Lernpsychologie ist dieser Zusammenhang zwingend: Kinder
beobachten ihre Bezugspersonen und identifizieren sich mit
ihnen, nehmen sie zum Vorbild und ahmen sie nach
(Modell-Lernen). Dass Lernmodelle nicht nur reale Personen,
sondern auch Figuren aus Film und Fernsehen sind, ist seit den
Forschungen von BANDURA in den 70er Jahren bekannt.
Nach Erfurt werden aufgeklärte Eltern, Lehrer und andere
verantwortungsbewusste Bürger unserer Gesellschaft ihre
Kinder, ihr Kostbarstes, diesem zunehmenden Verrohungsprozess
durch die Medien nicht mehr ausliefern wollen und sich
gemeinsam überlegen, wie sie diese „unheimlichen Erzieher“ in
Zukunft daran hindern, ganze Generationen zu verderben und
sich nicht mehr auf das Selbstkontroll-Spiel – sprich: ja, ja!
– handle: nein, nein! – einlassen, das sich seit Jahren
regelmäßig bei der Forderung nach einem Verbot von
Gewaltdarstellungen in den Medien wiederholt.
In Zukunft wird
also die ganze Gesellschaft, besonders aber die Familie und die
Schule gefordert sein: Ohne ein feinfühliges wechselseitiges
Zusammenspiel von Mutter und Säugling kann sich kein Urvertrauen
im Kind bilden. Ohne sichere Bindung und seelische Verankerung
in der ganzen Familie, inklusive Vater, Geschwister, Verwandte
und Freunde, kann das Kind seine Individualität nicht voll
entfalten, kann nicht Mitgefühl, Verantwortungssinn, moralisches
Empfinden entwickeln. Ohne inneres Zuhause in seiner
Ursprungsfamilie ist der Jugendliche heimatlos und im Übergang
zum Erwachsenwerden den Gefahren des Drogenkonsums, der Gewalt
und auch der politischen Verführung in viel größerem Maße
ausgeliefert. Ohne aktive Auseinandersetzung mit ihren Lehrern,
die ihnen als echte, sozial verantwortliche Erzieher und
positive Vorbilder gegenübertreten und ohne deren Anleitung
können sich Werthaltungen bei Jugendlichen nicht festigen und
weiterentwickeln. Und ohne dass die Medien endlich ihre
Verantwortung wahrnehmen, werden alle Bemühungen konterkariert
werden.
Nur ein
gesellschaftlicher Konsens über Werte, Ziele und Vorbilder in
der Erziehung kann der heranwachsenden Generation Orientierung
und Halt geben.
Dieser Rundbrief
ist als Einladung zu einer offenen Diskussion gedacht; Ihre
Stellungnahme dazu ist sehr willkommen.
Dr. Rudolf Hänsel,
Dipl.-Psych.
Leiter der
Staatlichen Schulberatungsstelle München
Pündterplatz 5, 80803 München, Tel. (089) 383849-50, Fax 383849-88 (E-Mail: rudolf.haensel@schulberatung-muenchen.de)
http://www.schulberatung-muenchen.de
und http://www.schulberatung.bayern.de)
Literatur:
·
Bandura, A. (1979): Aggression. Eine
sozial-lerntheoretische Analyse. Stuttgart.
·
Glogauer, W. (2001): Gewalthaltige Medien machen Kinder und Jugendliche zu
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Quelle: SÜDKURIER vom 05.02.05