Der Herr öffnet
uns
die Schrift
(vgl.
Lk. 24,25
f.)
Evangelisch-lutherische
Grundsätze
zur Hermeneutik der Heiligen Schrift
Die folgenden
Grundsätze zur Hermeneutik sollen das rechte
Verständnis und die rechte Auslegung der Heiligen Schrift
aufzeigen. Sie wenden
sich einerseits gegen die weithin verbreitete rationale und historische
Kritik
der biblischen Botschaft wie andererseits gegen ein sektiererisches
Verständnis,
das Jesus Christus als Erfüllung und Mitte der Heilsgeschichte und
der Heiligen
Schrift nicht gerecht wird.
These 1
Gott
hat sich den Menschen
offenbart.
Der
natürliche Mensch hat nach dem Sündenfall nur noch eine
unvollkommene Ahnung
von Gott im Herzen, die ihn nicht zur wahren Erkenntnis Gottes und
nicht ins
ewige Leben führen kann (Röm 1,19-22;
1. Kor 1,20.21; 12,3). Da
hat Gott zu den Menschen gesprochen, um ihnen sein Wesen, seine Gebote
und
seinen Heilswillen zu offenbaren. Deshalb werden wir immer wieder
aufgefordert:
Höret auf das Wort Gottes!
(5.Mose
6,4; Mt. 17,5; Joh. 5,24).
Verworfen
wird die Meinung,
daß
der Mensch von sich aus durch
logische, philosophische oder spekulative Überlegungen Gott und
seinen Heilsweg
für die Menschen recht erkennen könne.
These 2
Der dreieinige Gott hat sich
in der Geschichte
offenbart, indem er sich herabließ (Kondeszendenz), in
menschlichen Worten zu
den Menschen zu sprechen wie zu und durch Mose und die Propheten und
zuletzt im
Sohn und durch dessen Apostel (2. Petr. 1,20 f.;
Hebr. 1,1 f.).
Dabei paßte Gott
sein Wort der Redeweise und Kultur der jeweiligen Zeit soweit an,
daß
er in
dieser Zeit, aber auch noch von den nachfolgenden Generationen bis hin
zum
Jüngsten Tag, zu verstehen ist. Auf diese Weise sollen die
Menschen aller
Zeiten Gottes Wesen und Ratschluß – soweit er es offenbart hat –
und
seinen
Willen sowie seine Heilszusage erkennen.
Verworfen
wird die Meinung,
• die biblische Botschaft
beruhe
nicht auf Offenbarung Gottes, sondern sie habe sich innerweltlich in
einem
geschichtlich-kulturellen Prozeß entwickelt,
• Gott habe sein Wort so
zeitgebunden gesprochen, daß es heute nicht mehr gelte oder nicht
mehr
verstanden werden könne (siehe auch These 23).
These 3
Durch das Wirken und den
Beistand des Heiligen Geistes
sind uns Gottes Wort und Offenbarung durch die Schriften des Alten und
Neuen
Testaments zuverlässig überliefert. Die Heilige Schrift
selbst ist Offenbarung
Gottes (2.Tim. 3,16).
Wie uns die Heilige
Schrift heute in den Ursprachen vorliegt, so hat sie Gott gewollt.
Durch sie
hat Gott den Weg ins ewige Leben gewiesen und die Regel und Richtschnur
des
Glaubens und Lebens gesetzt (Joh. 5,39; Röm. 1,2).
Die
schriftlichen Berichte von Gottes Offenbarung wurden durch Eingebung
des
Heiligen Geistes (Inspiration) von auserwählten Menschen
geschrieben. Sie
bedienten sich zwar unterschiedlicher Ausdrucks- und Redeweisen, aber
dennoch
sind Inhalt und Wortlaut von Gott gewirkt. Die Sprache ist
naturgemäß Träger
der Inhalte, deshalb hängen Wort und Inhalt untrennbar zusammen.
Der Weg zum
Glaubensverständnis eines biblischen Textes erfolgt durch seinen
Wortlaut und
nicht über ihn hinweg.
Verworfen
wird die Meinung,
• Gott habe sich auch noch in
anderen Religionen und anderen religiösen Schriften offenbart,
• unmittelbarer Wortsinn und
Wortlaut der Heiligen Schrift wären mehr oder weniger nur von
Menschen zufällig
gewählt und könnten deshalb verändert oder ausgetauscht
werden,
• vermeintliches Menschenwort
sei vom Gotteswort, also Ausdruck vom Inhalt, zu scheiden,
• ein neues vom Wortlaut
abweichendes rechtes Verständnis eines Schriftwortes könne
durch Rekonstruktion
eines angeblich zuverlässigeren vorkanonischen Textes gewonnen
werden.
These 4
Welche
Schriften Gottes Wort sind
und damit zur Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments
gehören (Kanon),
ist durch das Wirken des Heiligen Geistes aus ihrem inneren Zeugnis,
ihrer
prophetischen und apostolischen Herkunft und der Anerkennung durch die
Gemeinden
bzw. der apostolischen Kirche gewachsen (Joh. 16,13 f.).
Der
alttestamentliche judäische Kanon lag praktisch schon zur Zeit
Jesu fest. Nach
dem Zeugnis der Apostel und Evangelisten wird er von Jesus nicht
kritisiert,
sondern durch häufige Bezugnahme auf die alttestamentlichen
Schriften
bestätigt. Insbesondere im Evangelium des Matthäus wird dies
vielfältig
bezeugt. Es gibt jedoch neutestamentliche Schriften, deren apostolische
Herkunft von einigen Gemeinden als nicht genügend gesichert
angesehen wurde und
die auch nicht bei allen Gemeinden in Gebrauch waren (Antilegomena).
Das gilt
mehr oder weniger für den Jakobusbrief, den Judasbrief, den
Hebräerbrief, den
2. Petrusbrief, den 2. u. 3. Johannesbrief und für die
Offenbarung
des Johannes. Da aber andererseits eine überaus große Anzahl
von Gemeinden
diese Schriften als apostolisch anerkannten, wurden sie in das Neue
Testament
aufgenommen. Doch sollten um der Gewißheit willen allgemeine
Glaubenssätze und
Lehrentscheidungen nicht allein aus den Antilegomena abgeleitet werden.
Sie
sind wesentlich mit den übrigen von allen als zweifelsfrei
anerkannten
Schriften (Homolegomena) des Neuen Testaments zu begründen.
Verworfen
wird die Meinung,
• die Zusammenstellung der
einzelnen Schriften zur Heiligen Schrift beruhe nicht auf
maßgeblichem
Einwirken des Heiligen Geistes,
• gegen den Kanon des Alten
und
Neuen Testaments und die von der ganzen frühen Kirche als
zweifelsfrei
anerkannten Schriften (Homolegomena) können heute noch Zweifel und
Einwände vorgebracht
werden.
These 5
Der
dreieinige Gott hat sein
göttliches Wesen und seine Heilszusage den Menschen in der
Geschichte
offenbart. In Jesus Christus erfüllen sich alle
Heilsverheißungen (2. Kor. 1,20).
Das
heißt, Gott hat den Menschen eine Heilsgeschichte bereitet. Daraus
erfahren wir von Gottes Wesen, seinem Willen für die Menschen der
damaligen
Zeit, aber auch von seinem unwandelbaren Willen für die Menschen
aller Zeiten.
Darüber hinaus enthält das Alte Testament Verheißungen,
Gottes Heilszusage für
Israel und alle Menschen – Verheißungen auf die kommende
Erlösung, auf das
kommende Reich Gottes und den kommenden Christus.
Verworfen
wird die Meinung, daß
• das Alte Testament vor allem
Mythen und eine national geschönte Geschichtsschreibung Israels
enthalte.
• das Alte Testament heute nur
noch historisch-kritisch und religionsgeschichtlich verstanden werden
könne.
• die prophetischen Worte auf die
kommende Heilszeit und den Messias nicht auf Jesus von Nazareth als den
gekommenen Messias bezogen werden könnten,
• als Erfüllung der
alttestamentlichen Verheißungen das jüdische Volk auch ohne
den Glauben an
Jesus Christus zum Heile gelangen könne.
These 7
Da das
Alte Testament von Gottes
Wort und Handeln in der Geschichte sowie von Worten der Prophetie und
Verheißung berichtet, haben Verständnis und Auslegung sowohl
nach dem Wortlaut
(Literalsinn) als auch unter Berücksichtigung der im Neuen
Testament
geschehenen Erfüllung in Jesus Christus zu erfolgen.
Das
AT drängt auf seine Erfüllung hin. Nach dem Zeugnis des NT
ist Jesus Christus
die Erfüllung der Verheißungen
und
Erwartungen des AT (2. Kor. 1.20). Deshalb ist eine Deutung
des AT abgetrennt
vorn NT nicht sachgemäß. An der Erfüllung der
alttestamentlichen Verheißungen
in Jesus Christus wird jedoch deutlich, wie manche Prophetie in
bildhaften
Worten und nur umrißhaft gegeben war.
Verworfen
wird die Meinung,
• das AT könne
ausschließlich
nach dem historischen Sinn ohne Hinzuziehen des NT recht verstanden und
ausgelegt werden,
• das AT habe für den
Glauben
der Christenheit keine oder nur noch sehr geringe Bedeutung.
These 8
Bestimmte
Geschichten und Personen
des Alten Testaments weisen über ihren alttestamentlichen Kontext
hinaus und
sind deshalb typologisch auf den nachfolgenden Neuen Bund und auf Jesus
Christus zu beziehen.
Soweit
jedoch in der Auslegung einzelner Schriftstellen (Exegese) für
solch ein
typologisches Verständnis kein unmittelbarer Hinweis im NT gegeben
wird, ist
mit Zurückhaltung und Umsicht zu verfahren. Eine typologische
Auslegung darf
nicht dazu führen, daß damit Eigenwert und unmittelbarer
Wortsinn der alttestamentlichen Schriftstelle gleichsam
aufgehoben werden (Allegorese). Auch darf kein neuer Offenbarungsinhalt
im
Sinne eines neuen Glaubenssatzes begründet werden, für den
keine andere unmittelbare
und klare Schriftstelle angeführt werden kann.
Vor
der Gefahr gekünstelt oder gepreßt wirkender typologischer
Auslegungen, die
unglaubwürdig wirken müssen und damit geeignet sind, Zweifel
an Gottes Wort zu
wecken, wird gewarnt.
(Beispiele
zur Typologie: Jona war drei Tage im
Bauch des
Fisches (Jona 2), Jesus war drei Tage im Tod und Grab
(Mt. 12,40), so
ist die Geschichte des Jona auch eine Typologie auf Jesus Christus.
Abraham
soll seinen Sohn Isaak opfern (1. Mose 22), Gott opfert
seinen Sohn
am Kreuz.)
Verworfen
wird die Meinung, daß
es keine Typologie des Alten auf das Neue Testament hin gäbe.
These 9
Das
Verständnis und die Auslegung
des Alten Testaments durch Jesus Christus sind für uns verbindlich.
Jesus
Christus ist
•
das fleischgewordene Wort Gottes,
•
der eingeborene Gottessohn, der teilhat am Schöpfungswerk und der
Heilsgeschichte, und auch teilhat an der Offenbarung und der
Schriftwerdung.
Er
ist deshalb der autoritative Ausleger der Schrift. Ja, er ist mehr, er
ist ihre
Erfüllung und er ist auch Herr über die Schrift. Wer sollte
da das AT besser
auslegen und uns ein besseres Verständnis zeigen als er?
Entsprechende
Vollmacht der Auslegung haben auch die von Jesus Christus
bevollmächtigten und
mit dem Heiligen Geist ausgerüsteten Apostel (siehe auch Thesen
15-17).
(Beispiele:
Wenn
Jesus Noah (Mt. 24,38)
und Jona (Lk. 11,29 f.) als historische Personen des AT benennt,
dann sind
sie auch tatsächlich lebende Personen gewesen und nicht nur
Gleichnisfiguren.
Entsprechendes
gilt, wenn Paulus Adam und Eva als historische Personen anführt
(Röm. 5,14, 1. Kor. 15,45). Wenn Paulus in
1. Tim. 2.11 f.
der Frau das Lehren (Predigen) mit dem Hinweis auf die
Schöpfungsordnung des AT
untersagt, dann ist die Bezugnahme eine autoritative Auslegung des AT,
die auch
uns bindet.)
Verworfen
wird die Meinung,
• das Verständnis und die
Auslegung des AT durch den Herrn Jesus Christus und seiner Apostel
wären nicht
autoritativ,
• Jesus und die Apostel
hätten
auch nur ein zeitbedingtes und damit relatives Verständnis des AT
gehabt,
• Jesus und die Apostel
hätten
bei ihrer Auslegung und Verkündigung Zugeständnisse an die
damaligen
gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse gemacht und
deshalb nicht den
ganzen und wahren Willen Gottes verkündigt,
• aus den genannten
Gründen
müsse heute erst noch der eigentliche Wille Gottes ermittelt
werden, ggf.
auch
entgegen den
Worten Jesu und seiner
Apostel.
These 10
Die
Evangelisten Matthäus. Markus,
Lukas und Johannes stimmen in ihrem Gesamtzeugnis von Jesus Christus
überein.
In ihren
Einzelzügen weichen sie jedoch mitunter
voneinander ab. Dies resultiert daraus, daß die Evangelisten
•
unterschiedlicher Herkunft sind und aus unterschiedlichen Blickwinkeln
berichten.
•
sich jeweils einer knapperen oder ausführlicheren Form sowie
verschiedener
Denk- und Ausdrucksweisen bedienen und
•
sich unterschiedlichen Adressatenkreisen zuwenden.
Doch
stehen alle vier Evangelisten unter der Verheißung Jesu: „Wer
euch hört, der
hört mich“ (Lk. 10,16). Von ihnen gilt die Feststellung,
daß
„noch nie
eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht ist, sondern von
dem
Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Namen Gottes geredet"
(2. Petr. 1,20.21).
Verworfen
wird,
die
Einzelzeugnisse der Evangelien
gegeneinander auszuspielen und bei bemerkten Abweichungen entscheiden
zu
wollen, welches Zeugnis nun der Wahrheit entspräche und welches
nicht.
These 11
Bei scheinbar voneinander
abweichenden
Einzelzeugnissen der Evangelien kann durch Auslegung und Erklärung
versucht werden,
Übereinstimmung (Harmonie) zu erzielen. Dies gilt auch für
alle anderen
scheinbaren Widersprüche in der gesamten Heiligen Schrift.
Dabei wird vor der
Gefahr einer gekünstelten oder gepreßt wirkenden
Harmonisierung
gewarnt, die
unglaubwürdig wirkt und damit geeignet ist, Zweifel an Gottes Wort
insgesamt zu
wecken. Gelingt eine befriedigende Harmonisierung nicht, so sind die
Schriftstellen unverkürzt nebeneinander stehen zu lassen (siehe
auch These 26).
These 12
Jede Auslegung der Heiligen
Schrift hat dem Glauben
gemäß zu sein (Röm. 12,7).
Das heißt, jede
Auslegung kann nur aus der Heiligen Schrift selbst hergeleitet werden
(Schrift
kann nur mit Schrift ausgelegt werden). Dabei ist immer das
Gesamtzeugnis der
Heiligen Schrift mit ihrer Mitte – Jesus Christus – maßgeblich zu
berücksichtigen.
Das Gesamtzeugnis der Heiligen
Schrift wird bekannt
mit den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen, nämlich
dem Apostolischen,
dem Nizänischen und dem Athanasianischen Glaubensbekenntnis in
ihrem Wortsinne,
mit ihren Glaubenssätzen vom dreieinigen Gott, der wahren
Menschheit und
Gottheit Jesu Christi und den Heilstatsachen (regula fidei),
und den
Bekenntnissen der
evangelisch-lutherischen Kirche,
insbesondere
mit ihren Glaubenssätzen von
•
der
Unterscheidung der Worte der Heiligen Schrift nach ihrem Gehalt von
Gesetz und
Evangelium,
•
der Verheißung, daß der Mensch das ewige
Leben ererbt: allein durch Christus, allein aus Gnaden, allein durch
den Glauben
(Röm. 3,9 ff.),
•
der
Feststellung, daß allein die Heilige Schrift als Gottes
offenbartes
Wort Regel
und Richtschnur des christlichen Glaubens und Lebens sein kann.
Verworfen
werden alle Aussagen und
Auslegungen zur Heiligen Schrift, die nicht in der o. a. Weise dem
Glauben
gemäß sind.
These 13
Das
Wort Gottes im Alten und im
Neuen Testament ist nach seinem Wesen zu unterscheiden in „Gesetz“ und
„Evangelium“.
Mit
Gesetzesworten
fordert
Gott von den Menschen ein bestimmtes Verhalten,
erhebt Anspruch auf Gehorsam und droht ihnen im Falle des Ungehorsams
zeitliche
und ewige Strafe an:
„Siehe,
ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr
gehorcht
den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den
Fluch
aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures
Gottes ...“
(5. Mose 11,26-28).
„Du
sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele,
von
ganzem Gemüte und von allen deinen Kräften. Das andere ist
dies: Du sollst
deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Es ist kein anderes Gebot
größer als
diese“ (Mk. 12,30.31).
Mit
Evangeliumsworten spricht Gott zu den Menschen von seiner Liebe,
Barmherzigkeit
und Gnade, daß er die Sünden vergeben und sie ins ewige
Leben
führen will:
„Fürchte
dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem
Namen gerufen;
du bist mein“ (Jes. 43,1).
„Aber
mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir
Mühe gemacht mit
deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um
meinetwillen und
gedenke deiner Sünde nicht“ (Jes. 43,24.25).
Jesus
spricht:
„Wer
mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das
ewige Leben
und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben
hindurch
gedrungen. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt,
der wird
leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich,
der wird
nimmermehr sterben“ (Joh. 5,24; 11,25.26).
These 14
Allein
der Glaube an Gottes
Verheißung des Evangeliums kann das Heil vermitteln
(Röm. 3,21 f.;
Gal. 3; 5,4.9). Dies galt auch schon
zur Zeit des Alten Testaments (Röm. 4;
Heb. 11; 2. Mose 34,6f). Dennoch
ist das Gesetz Gottes bleibender Wille, dem alle Menschen gehorchen
sollen.
Gesetz und Evangelium sind zu unterscheiden.
Verworfen
wird die Vermischung von
Gesetz und Evangelium, wobei
• unter Hinweis auf das
Evangelium Gottes Gebote mit ihrem Anspruch auf Gehorsam und ihrer
Strafdrohung
entkräftet bzw. entwertet werden, oder
• unter Hinweis auf das Gesetz
die Gnade Gottes in seinem Sohn Jesus Christus noch zusätzlich von
einer
bestimmten Leistung bzw. Gesetzeserfüllung des Menschen
abhängig gemacht wird.
These 15
Gott
hat sein Gesetz gegeben
•
als
einen Maßstab für das Zusammenleben und Verhalten der
Menschen und um die Sünde
äußerlich im Zaum zu halten (Riegel),
•
zur
Erkenntnis unserer Sünden und des göttlichen Gerichts
(Spiegel,
Röm. 3,20).
•
als
Richtschnur und Regel für das Leben des Christen, des
wiedergeborenen neuen
Menschen, (Regel, Röm. 3,31; 13,8 f.; 1. Joh. 5,2).
•
als
einen Zuchtmeister auf Christus (Gal. 3,24).
„So
ist also das Gesetz heilig. und das Gebot ist heilig, recht und gut“
(Röm. 7,12).
„Liebt
ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh. 14,15).
Verworfen
wird die Meinung,
daß
im
Hinblick auf das
Evangelium und den
neuen Bund in Jesus Christus die Worte des Gesetzes generell
überflüssig geworden wären.
These 16
Bestimmte
alttestamentliche
Gesetzesworte gelten uns nicht mehr.
Das
sind die Gesetze, die Gott als ein Bundeszeichen mit Israel (a) gesetzt
hat,
die den äußeren Kult und die Zeremonien des Tempels (b) und
die äußere
kultische Reinheit Israels (c) betreffen. Die Gesetzesworte
zur Regierweise und Rechtsprechung
im alten Bundesvolk Israel sind mit dem Kommen Jesu Christi und dem
Ende der
äußeren Theokratie Israels hinfällig geworden (d).
a)
„Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein
etwas,
sondern eine neue Kreatur“ (Gal. 6,15).
b)
„So ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen Vieler Sünden ... Wo
aber
Vergebung der Sünden ist, da geschieht für sie kein Opfer
mehr“
(Hebr. 9,26.28, 10,18).
c)
„Was zum Munde eingeht, das macht den Menschen nicht unrein, sondern
was zum
Munde ausgeht, das macht den Menschen unrein“ (Mt. 15,11).
„So
lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über
Trank oder über
bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate“ (Kol. 2,10, vgl.
auch
1. Tim. 4,4).
d)
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh. 18,36).
Verworfen
wird die Meinung,
daß
die Kirche als das neue
Bundesvolk auch die Gesetze zu beachten hätte, die speziell dem
alten
Bundesvolk Israel gegeben wurden.
These 17
Gottes
Gesetzesworte zur Ethik
sind zeitlos verbindlich.
Christus
hat uns vom Fluch des Gesetzes befreit, indem er ihn auf sich nahm; vom
Gehorsamsanspruch hat er uns nicht entbunden (Mt. 5,17,
Gal. 3,13).
Deshalb
gelten weiterhin Gottes Worte z.B. gegen
Ungehorsam gegenüber den Eltern, dem Staat, dem Dienstherrn (4.
Gebot;
Eph. 6; Röm. 13,1-7), gegen Scheidung, Ehebruch,
sexuelle Ausschweifungen
und Homosexualität (6. Gebot, Mt. 19,3 f.;
Röm. 1,26 f.; 13,13;
Eph. 5).
Verworfen
wird die Meinung,
daß
im
Hinblick auf das
Evangelium oder eine vermeintliche Zeitbedingtheit der o. a.
Gesetzesworte, diese der Christenheit nicht mehr gelten würden.
These 18
Weisungen
des Neuen Testamentes
können nur bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen als lediglich
zeitgebunden
verstanden werden.
Solche
Voraussetzungen sind gegeben, wenn der Text bzw. Kontext zu erkennen
gibt,
daß
die Weisungen
•
nur
an bestimmte Personen.
•
zu
bestimmten Zeiten und
•
unter
bestimmten Umständen
ergangen
sind und damit nicht allgemein und für die folgenden Generationen
in der Kirche
gelten sollen.
Die
zeitbezogenen Weisungen basieren auf nach wie vor geltenden
göttlichen
Grundforderungen. Die zeitbezogenen Weisungen sind also nur
Konkretisierung
bzw. Ausprägung der zeitlosen Grundforderungen Gottes.
(1.
Beispiel: Apostelkonzil, Apg. 15.
Gottes zeitlose Grundforderungen: Friede, Einigkeit, Gemeinschaft,
Liebe
zueinander, kein Ärgernis und keine Anfechtung den
Glaubensgeschwistern geben.
These 19
Die
Heilige Schrift ist in ihrem
Gesamtzeugnis klar und eindeutig (Joh. 5,39).
Jeder
kann sie verstehen und aus ihr Gottes Willen und seinen Heilsweg
für die
Menschen in seinem Sohn Jesus Christus deutlich vernehmen. Durch sie
wirkt der
Heilige Geist, wo und wann er will (siehe These 28).
Der Herr öffnet uns
die Schrift
Verworfen
wird die Meinung, daß
• aufgrund vorhandener
unklarer
Stellen die Schrift insgesamt unklar wäre,
• nur ein besonderes
bevollmächtigtes kirchliches Lehramt (z.B. Papst) oder
theologische
Wissenschaftler das Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift recht verstehen
könnten,
• die Heilige Schrift mit
einem
Vorverständnis, das nicht ihrem Wesen und ihrer Heilsabsicht
entspricht, recht
verstanden und ausgelegt werden könne.
These 20
Unklare
oder „dunkle" Schriftstellen sind mit den klaren zu erklären bzw.
aufzuhellen.
Ist
dies nicht möglich, so lasse man die unklare Stelle als solche
stehen (Thesen
26-29). Unklar ist eine Schriftstelle, wenn aus ihrem unmittelbaren
Wortlaut
keine verständliche Aussage oder nur eine, die nicht dem Glauben
gemäß wäre,
erschlossen werden kann.
Verworfen
wird,
• daß aufgrund der vorhandenen
unklaren Schriftstellen die Schrift nicht unter Eingebung des Heiligen
Geistes
zustandegekommen sei,
• klare und eindeutige
Schriftstellen durch Herbeiziehen unklarer Schriftstellen zu
verdunkeln, also
die klaren mit den unklaren in Zweifel zu ziehen.
Martin
Luther:
„Denn
klare und gewisse Stellen durch Vergleichung mit anderen auslegen
wollen, das
heißt, die Wahrheit in nichtswürdiger Weise verspotten und
Wolken ins Licht
bringen" (W2 Bd. 20, 326).
These 21
Vom
Verständnis einer
Schriftstelle nach ihrem unmittelbaren Wortsinn (Literalsinn) kann nur
bzw.
muß abgewichen werden, wenn besondere Umstände vorliegen.
Diese
liegen vor, wenn
• im
Text selbst ein Hinweis auf eine Bild- oder Gleichnisrede bzw. eine
Metapher
gegeben ist (z.B. Mt. 13,3 f.),
• überhaupt
nur ein bild- oder gleichnishaftes Verständnis der Worte
möglich ist (siehe
jedoch auch Thesen 26-29).
• ein
wörtliches Verständnis dem Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift
widersprechen und
nicht dem Glauben gemäß sein würde.
Wer
in seinem Verständnis vom Wortlaut des Textes abweicht, hat dies
unter Hinweis
auf andere Schriftstellen zu begründen (Beweislast).
Martin
Luther:
„Denn ich habe oft
gesagt. daß wer in der Heiligen
Schrift studieren will, soll je darauf sehen, daß er auf den
einfältigen Worten
bleibe, wie immer er kann und je nicht
davon
weiche, es zwinge denn irgendein Artikel des Glaubens, daß man es
müsse anders
verstehen denn die Worte lauten" (W2 Bd. 3, 20).
Verworfen
wird,
•
daß
derjenige, der die
Heilige Schrift nach dem
unmittelbaren Wortlaut versteht, dies besonders zu begründen
hätte; dies wäre eine
unzulässige Umkehr der
Beweislast;
•
ein
gegebenes wörtliches
Verständnis eines Textes ohne schriftgemäße
Begründung in ein nur bildhaftes bzw. in ein
spekulativ bildhaft-
psychologisches umzudeuten.
These 22
Die
bildhaften Redeweisen der
Heiligen Schrift in Gleichnissen, einzelnen Bildworten und Reihen von
Bildern
in Traum- und Visionsoffenbarungen sind aus ihrer Besonderheit heraus
zu verstehen.
Eine
bildhafte Rede kann eine Sache entweder eindrücklicher,
verständlicher und
klarer machen oder sie nur andeuten bzw. umschreiben. Letzteres finden
wir vor
allem bei Prophetien und Aussagen über die Endzeit, das Gericht,
das ewige
Leben und Gottes Herrlichkeit, wie z.B. im Buch Daniel, beim Propheten
Jesaja und
in der Offenbarung des Johannes.
Soweit im
unmittelbaren Text keine Erklärung der Bildrede
gegeben ist, sind bei Gleichnissen die maßgeblichen
Vergleichspunkte und bei
Bildworten deren Aussageinhalte zu ermitteln. Das kann nur durch den
Text- und
Geschehenszusammenhang und durch klare Aussagen des NT erfolgen (siehe
These
6). Die ermittelte Aussage muß dem Glauben gemäß sein
(siehe These 12).
Im Hinblick auf den
Verhüllungscharakter ist besondere Umsicht
und Zurückhaltung geboten, wenn die einzelnen Visions- bzw.
Traumbilder auf
bestimmte Zeitalter oder auf die Gegenwart übertragen werden sollen. Bei der Offenbarung
des Johannes
ist z.B. die Gesamtabsicht maßgeblich zu berücksichtigen,
ein Trostbuch für die
verfolgte und angefochtene Gemeinde Jesu zu sein und von ihrem Sieg und
ihrer
Verherrlichung durch den wiederkommenden Herrn Christus zu künden.
Verworfen
wird,
• eine bildhafte Rede wörtlich zu verstehen,
• jede willkürliche
und spekulative Deutung bildhafter Redeweisen,
• die Meinung, daß uns in
bildhaften
Redeweisen neue Glaubensinhalte mitgeteilt werden, für die es
keine anderen
klaren Zeugnisse im Neuen Testament gibt, wie z.B. für die
Meinung, daß Jesus
Christus zunächst zur Errichtung eines äußeren
weltlichen 1000-jährigen
Friedensreiches wiederkommen werde,
• der Versuch, Gottes verborgenes
Handeln in der Geschichte mit „prophetischer Sicherheit" zu
entschlüsseln
und unter Umständen gar den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi zu
ermitteln.
These 23
Gott ist nach seinem Wesen
unveränderlich und treu,
deshalb ist auch sein offenbartes Wort dem Wesen nach
unveränderlich und
zuverlässig (Jes. 40,8).
Da Gott nach seinem
Wesen Wahrheit, Realität und Liebe ist, zeugt auch sein Wort von
Wahrheit,
Realität und Liebe (Ps. 33,4.9; Joh. 17,17, Hebr. 1,3, Apg. 13,26).
Nach biblischem Zeugnis gibt
es nur eine Wahrheit –
die Wahrheit Gottes.
Sie ist nicht ein
abstrakter Gedanke oder nur ein akustisches Wort, sondern immer
zugleich ein
Wirken und Wirklichkeit.
Verworfen,
wird die Meinung, daß
• sich Gott soweit herabgelassen
habe (These 2), daß er auch etwas Unwahres oder Fehlerhaftes in
und
mit seinen
Worten geredet habe,
• es außer und neben der
Wahrheit
Gottes noch eine widersprechende weltliche Wahrheit gäbe.
Verworfen
wird, daß
• mittels der philosophischen
These von der „doppelten Wahrheit" widersprüchliche Aussagen
zwischen der
Heiligen Schrift und einer kausal-mechanistischen Weltsicht
überbrückt werden,
• auf dialektische Weise die
Wahrheit der Heiligen Schrift relativiert oder aufgelöst wird.
Gott ist der
Schöpfer und Herr auch der Naturgesetze. Gottes Wahrheit
durchdringt und
umfaßt alles, davon zeugt sein Wort. Nur der Heide Pilatus fragt:
„Was
ist
Wahrheit?"
These 24
Gottes
Wahrheit zu unserem Heil
ist uns in Knechtsgestalt offenbart. Sie kann nur im Glauben erkannt
werden.
Der Sohn Jesus
Christus – wahrer Gott und wahrer Mensch –
ist die zu unserem Heil fleischgewordene Wahrheit Gottes, aber in
äußerer
Knechtsgestalt. Jesu Gottheit, sein Erlöseramt und seine
Sündlosigkeit können
nicht auf weltliche Weise erkannt werden, denn an ihm ist
äußerlich keine Gottheit,
Hoheit und
Herrlichkeit sichtbar, sondern nur Niedrigkeit (Jesaja 53). So
verhält es sich
auch mit der Botschaft der Heiligen Schrift zu unserem Heil. Ihre
göttliche
Wahrheit und Unfehlbarkeit kann auf weltliche Weise nicht erkannt
werden. Die
Heilige Schrift ist in
vollem Umfang
von Gott, wenn auch von Menschenhand geschrieben und nicht
überwältigend logisch
wie ein mathematisches Lehrbuch, sondern sie stellt sich in Niedrigkeit
dar,
mit stilistischen Unvollkommenheiten und scheinbaren Widersprüchen.
Die
Spannung, die sich aus Gottes Offenbarung in Niedrigkeit ergibt, gilt
es im
Glauben auszuhalten.
These 25
Mit der
natürlichen Vernunft nimmt
der Mensch zunächst das äußere, buchstäbliche Wort
Gottes auf. Das innere
Verstehen und Vertrauen wirkt der Heilige Geist.
Aus
diesen Gründen kann die natürliche Vernunft beim Verstehen
und Auslegen der
Heiligen Schrift immer nur eine dienende Funktion haben. Zuerst sind
wir zum
Hören und Glauben aufgefordert.
Weltliche
Geistes- und Naturwissenschaften dürfen die Theologie nicht
beherrschen – auch
nicht indirekt, z.B. durch Übernahme bestimmter Methoden, die
nicht der Schrift
gemäß sind.
Die
weltlichen Wissenschaften beruhen auf der natürlichen Vernunft,
sie sind
Menschenweisheit, die Theologie hingegen beruht auf göttlicher
Offenbarung.
Verworfen
wird die Meinung.
daß
die Aussagen und Worte der
Heiligen Schrift zu ihrem rechten Verständnis der Ergänzung
oder gar
Berichtigung durch weltliche Wissenschaften bedürften.
These 26
Die
menschliche Vernunft mit ihren
Erkenntnissen und Schlußfolgerungen ist auch durch den
Sündenfall
getrübt und
verderbt.
Verworfen
wird die Meinung, daß
• der Mensch alles oder zumindest
einiges von Gott und dem Heilsweg selbst ergründen könne und
er dabei nicht
allein auf Gottes Offenbarung angewiesen sei,
• den Erkenntnissen der
weltlichen Wissenschaften mehr als den Aussagen der Heiligen Schrift zu
vertrauen sei,
• aus der Heiligen Schrift nur
das zu glauben sei, was weltlich erklärbar und einsichtig ist,
• Gott sich nur innerhalb der
bestehenden Naturgesetze offenbart habe,
• der Mensch nur bestimmte und
nicht alle Lebensbereiche unter Gottes Wort und Gebot zu stellen habe,
• die Heilige Schrift mit einem
historisch-kritischen Vorverständnis, das selbst nicht der
Heiligen Schrift
gemäß ist, recht verstanden und ausgelegt werden könne,
(Der Widersacher
spricht: „Ja,
sollte Gott gesagt haben?“ (1. Mose 3,1).)
• das Verständnis und die
Auslegung der Heiligen Schrift maßgeblich vom Kontext
gegenwärtiger
gesellschaftlicher oder kultureller Ansichten und Umstände oder
von
Philosophien und heidnischen Religionen bestimmt werden sollen. Dies
würde dem
einzigartigen Wesen der Offenbarung (siehe Thesen 1-3) widersprechen.
(Der Apostel
Paulus schreibt: „Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als
ihr empfangen
habt, der sei verflucht“ (Gal 1,9).)
These 27
Gottes Geheimnisse, die uns
nur bis zu einem gewissen
Grade offenbart sind und über unser menschliches Verstehen
hinausgehen, können
und sollen wir nicht mit der Vernunft ergründen, sondern im
Glauben anbetend
bekennen.
Die Dreieinigkeit
Gottes, das Nebeneinander der göttlichen und menschlichen Natur
des Sohnes, die
Art seines Versöhnungswerkes am Kreuz und seine Auferstehung sowie
die Weise
des Wirkens des Heiligen Geistes durch äußeres Wort und
Sakrament wie auch die
Erbsünde des Menschen sind der menschlichen Vernunft nicht
einsichtig
verstehbar und erklärbar. Das gilt ebenso für alle biblischen
Wunder, für den
Inspirationsvorgang und die Schriftwerdung.
Verworfen
wird der Versuch,
die
Geheimnisse Gottes mit
menschlicher Vernunft zu erfassen und zu erklären.
These 28
Durch
die Worte der Heiligen
Schrift wirkt Gottes Heiliger Geist den Glauben an Jesus Christus und
damit
verbunden auch das Vertrauen, daß die Bibel von Jesus Christus
zeugt
und
Gottes zuverlässiges und unfehlbares Wort ist.
Dieser
Glaube kann nicht durch Erkenntnisse und Schlußfolgerungen der
menschlichen
Vernunft begründet oder bewiesen werden. Das Vertrauen auf das
fleischgewordene
Wort Jesus Christus kann nicht von dem Vertrauen auf das Schriftwort
abgetrennt
werden und auch nicht umgekehrt.
Verworfen
wird die Meinung,
• daß die Heilige Schrift
nicht
zuverlässiges und unfehlbares Wort Gottes sei, weil man
dies nicht mit der Vernunft beweisen kann.
• der Mensch müsse zuerst zu
der
Überzeugung gebracht werden, daß die Bibel Gottes wahres
Wort
sei, bevor er
zum rettenden Glauben an Jesus Christus kommen könne.
These 29
Durch
die Mittel seines Wortes und
seiner Sakramente wirkt Gott an den Herzen der Menschen in
geheimnisvoller
Weise.
Die
Heilige Schrift und die Verkündigung ihrer Botschaft sind mehr als
nur äußeres
Wort. Taufe, Abendmahl und Absolution sind mehr als nur
äußere Elemente oder
zeichenhafte Handlungen.
Kraft
des Heiligen Geistes empfängt der Mensch durch das Evangelium
Vergebung der
Sünden und Wiedergeburt. Der dreieinige Gott begegnet dem Menschen
– in und mit
der Absolution, der Taufe und dem Abendmahl bietet Gott seine Gnade dar
und
eignet sie auch zu (zur Sakramentslehre im einzelnen wird auf die Bekenntnisschriften der
evangelisch-lutherischen Kirche verwiesen, vgl. These 12).
Verworfen
wird die Meinung,
• das äußere Wort der
Heiligen
Schrift entfalte keine göttliche Kraft und Wirkung und
sei deshalb vergleichbar mit außerbiblischen
philosophischen,
humanistischen, ethischen oder gar heidnisch-religiösen Texten und
Worten,
• die Sakramente seien nur
äußere
Handlungen, die nur dazu dienen, ein Bekenntnis abzulegen oder eine
Tradition
der Gemeinde fortzuführen,
• die Sakramente könnten auch
ohne den Glauben Vergebung der Sünde und das Heil des Menschen
wirken.
In dieser schwern
betrübten Zeit
verleih uns, Herr, Beständigkeit,
daß wir dein Wort und Sakrament
behalten rein bis an das End.
Amen.
Hier eine Innenansicht der Markus-Kirche in Konstanz.
Sie gehört zur SELK
(Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche). Zu dieser Gemeinde
besteht seit kurzem ein erster Kontakt und theologischer Austausch.